Skip to content

Kristin Ottlinger von Fuchs Devils Wild: Beratung heißt raus aus der Komfortzone

Wie begann für Kristin Ottlinger der Weg in die Beratung? Was sind aktuelle Fragestellungen, mit denen sie heute ihre Kunden unterstützt? Gibt es Unterschiede zwischen "großen" und "kleinen" Beratungen? Und was ist Beratung für sie persönlich? All das und mehr in unserem Interview.
@VICEVERSA | Der Consulting-Blog von White Label Advisory | Nachgefragt | Kristin Ottlinger von Fuchs Devils Wild: Beratung heißt raus aus der Komfortzone

Hallo bei "Nachgefragt" - dem 5-½ Fragen Advisor-Interview von White Label Advisory. Heute mit Kristin Ottlinger, Founder & CEO bei Fuchs Devils Wild.

 

Hi Kristin, direkt zu Beginn ein kleines Warm-Up: Magst du dich kurz vorstellen?

Hallo zusammen, ich bin Kristin Ottlinger und Co-Gründerin von Fuchs Devils Wild, einem Beratungskollektiv für New Work & Digital Experience, mit dem wir im vergangenen Jahr den New Work Award gewonnen haben.

Meine universitäre Laufbahn hat mich, statt zum klassischen BWL-Studium, zu Politikwissenschaften, Literatur – und Kulturwissenschaften und Geschichte geführt. Um Sachverhalte ganzheitlich und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, war das perfekt.

In die Beratung bin ich mehr oder minder reingerutscht, weil sie meinen natürlichen Stärken und meinem Antrieb, Dinge weiterzuentwickeln wohl recht nahekam. Ich habe viele Jahre in Kreativ- und Digitalagenturen gearbeitet und dort die Rolle als Bindeglied zwischen der Beratung für und mit Kunden und der Führung von Teams eingenommen.

Das Wissen aus meiner langjährigen Erfahrung als Entscheiderin bei führenden Agenturen und der Arbeit mit Fuchs Devils Wild gebe ich zeitgleich als Dozentin für neue Arbeitskulturen, Digitale Transformation und Digitales Marketing an Universitäten und Bildungseinrichtungen weiter.

Heute begleite ich als Spezialistin und Beraterin für New Work und Digitalstrategien nationale und internationale Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen, vom Mittelstand bis zum Konzern. Der Fokus meiner Arbeit liegt darin, die Verbindung zwischen neuen Arbeitskulturen und Digitalisierung herzustellen und Unternehmen ganzheitlich in ihren Veränderungsprozessen zu begleiten. Das sind genau die Themen, die mich täglich antreiben und begeistern.

Mit White Label Advisory versuchen wir, Beratung neu zu denken. Mit welchen 3 Top-Themen sollte sich Beratung in der Zukunft befassen?

Neben Spezialisierungen, die Beratungen für sich selbst, je nach Beratungsfeld definieren müssen, sehe ich die Top-Themen vor allem in der Weiterentwicklung des Beratungsgeschäftes als solches.

Kreativität. Beratungen sollten in Summe kreativer werden. Weg von archaischen Mustern und alten Management-Büchern, welche Prozesse, Strukturen und Menschen nach Idealbild skizzieren. Wichtig ist, hier mal aus Komfortzonen zu treten und mutig zu werden, auch für Kunden Neues zu entdecken.

Authentizität. Gewänder und Maskeraden gehören abgelegt. Beratungen sollten zeigen, wofür sie stehen. Sie sollten zeigen, welche Menschen bei Ihnen arbeiten und was diese auszeichnet. Sie sollten nicht nur dem Kunden Wertesysteme empfehlen, sondern zuerst die ihre eigenen entwickeln. Ob das  immer zum Kunden passt, - sicher nicht. Aber dafür sind die Kunden, mit denen man dann zusammenarbeitet, auch das „Perfect Match“.

Digitale Exzellenz. Alles sprechen von Digitalisierung und Digitalisierung von Prozessen. Die Wenigsten sind ernsthaft fit darin oder sind über die Vielfalt der Möglichkeiten im Klaren. Digitale Masterskills und fundiertes Wissen zu Trends, Optionen und Machbarkeiten sind aber genau das, was wir unseren Kunden empfehlen. Anfangen müssen wir bei uns selbst.

 

02 Beitragsbild_Kristin Ottlinger
Ausgezeichnete Beratung: In der Kategorie Story.one Publikumsaward hat die Beratung Fuchs Devils Wild feat. Danny Hess im Jahr 2021 mit Ihrem Beitrag „Tomorrow“ den ersten Platz erreicht. Über 240 spannende und innovative Bewerbungen wurden im Rahmen des NEW WORK Awards der NEW WORK SE für den Preis für zukunftsweisendes Arbeiten eingereicht. Aus denen erstellte eine hochkarätige New Work-Jury zunächst eine Shortlist, dann konnte die Community ihre Favoriten auswählen.

 

Beratung ist People-Business. Auch wenn digitale Vertriebs- und Beschaffungswege dabei helfen, die passende Beratungsleistung einzukaufen, arbeiten am Ende immer Menschen miteinander. In welchen Projektsituationen - im Positiven wie im Negativen - spielte der "persönliche Fit" die entscheidende Rolle?

Für mich gibt es darauf nur eine Antwort: Der „persönliche Fit“ spielt in der Beratung eine durchweg entscheidende Rolle, und dass in jeder Projektsituation. Menschen beauftragen Menschen, - sehr selten dagegen nur die rein fachliche Expertise. Denn wer möchte man sich schon in irgendeiner Form beraten lassen, wenn der „persönliche Fit“ nicht da ist?

Die Beratung lebt von Vertrauen und der Überzeugung, dass meine Gegenüber mit seiner Persönlichkeit und alldem, was er an Erfahrungen mitbringt, ein entscheidender Mehrwert für mich sein kann.

Vor allem beim Kennenlernen darf und muss man sich auf sein ureigenes „Bauchgefühl“ verlassen. Stimmt das, kann man sich auch füreinander entscheiden, wenn nicht immer alle fachlichen Aspekte des Eingangs erstellten Plans mit einem Häkchen versehen werden. Wenn die Chemie schon beim Kennenlernen nicht stimmt, sollte man das offen ansprechen können und sich nicht künstlich in ein Korsett drücken (lassen). Für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und die Dauer eines Projektes, kann das Ignorieren eines solchen Alarmsignal niemals förderlich sein.

Beratung kann auf Dauer nur dann erfolgreich sein, wenn man Masken ablegt und diese gegen Authentizität, Transparenz und Offenheit eintauscht. So arbeiten wir bei Fuchs Devils Wild zumindest.

 

Bei White Label Advisory finden Klienten hauptsächlich mittelständische Beratungsunternehmen. Was ist für dich - neben der offensichtlichen Größe - ein wesentlicher Unterschied zu den "Big Playern" im Beratungsmarkt? Und was schätzen eure Kunden in der Zusammenarbeit mit euch?

Ein wesentlicher Unterschied, den wir immer wieder erleben, wenn wir unsere Arbeit mit dem Tun der „Big Player“ vergleichen, ist der der Individualisierung sowie der operativen Begleitung.

Nicht selten werden wir angefragt, wenn große Beratungsunternehmen geholt wurden und der Transformationsprozess, in den auf Basis der namenhaften Erscheinung, viel Hoffnung gesteckt wurde, am Ende kläglich gescheitert ist. Warum ist das so?

Wir beobachten häufig, dass es an individuellen, für das Unternehmen spezifischen Lösungen mangelt. Konzepte, aus der Schublade, die Großes versprechen und nach viel aussehen oder systematisiert als „Heilsbringer“ auf jede Problemstellung gestülpt werden. Damit wird oft wenig auf die eigentlichen, ganz eigenen Herausforderungen der Organisation selbst geschaut. Gleich an diese Konzepte schließt sich ein umfangreicher Empfehlungskatalog an. Und jetzt, wo es drauf ankommt, jetzt wo alle gespannt sind, sind die meisten Beratungen auch schon raus und die Unternehmen in der Umsetzung sich selbst überlassen.

Genau dort setzt Fuchs Devils Wild an, um es besser zu machen. Wir glauben daran, dass jedes Unternehmen maßgeschneiderte, auf deren Menschen und Prozesse, auf deren Herausforderungen angepasste, kreative und individualisierte Lösungen braucht. Wir hören zu. Wir sind authentisch und ehrlich. Wir halten auch bei Sturm die Treue und nehmen das uns entgegengebrachte Vertrauen sehr ernst. Bei uns gibt es keine „Schubladenlösungen“. Und wenn wir die passende Lösung gefunden haben, krempeln wir die Ärmel hoch und packen mit an. Wir begleiten die Unternehmen in der operativen Umsetzung, stehen für unsere Ansätze und Ideen ein und führen sie bis zum Ende – die erfolgreiche Integration und Nutzung.

 

Angenommen, du könntest einmalig die Titelseite einer großen Tageszeitung bestimmen und hättest somit die Möglichkeit, Millionen Menschen in Deutschland zu erreichen. Was würdest du tun?

Wandel entsteht durch Mut. Traut Euch Dinge anders zu machen als eure VorgängerInnen. Traut Euch neue, andere Wege zu gehen, - um nicht nur stiller Beobachter zu sein, - sondern den Wandel aktiv zu gestalten.

Ich möchte dafür sensibilisieren und aktivieren, dass wir die heutige Arbeitswelt neu definieren müssen, - wir müssen ihr neues Leben einhauchen. Die Arbeitswelt, so wie wir sie heute noch im Großteil vorfinden, ist ein Überbleibsel, was nicht mehr in die heutigen Anforderungen von Arbeitgebern, aber auch nicht mehr zu ArbeitnehmerInnen passt. Gerade wir hier in Deutschland leben in veralteten Strukturen, klammern uns an Dinge, die wir oft unreflektiert übernehmen. Wir sind wenig explorativ, wenig zukunftsweisend und trauen uns zu wenig zu. Das muss sich unbedingt ändern.

Die Arbeitswelt und damit einhergehend auch unser Bildungssystem benötigen eine grundlegende Transformation. Einen Wandel der zukunftsgerichtet, und vor allem positiv und gestaltend ist. Denn neue Arbeit passt nicht in alte Muster.


Beenden möchten wir unser Interview mit der offenen Nachfrage, was Beratung für dich persönlich bedeutet – und einer Antwort, die beginnt mit: "Beratung ist ..."

Beratung heißt raus aus der Komfortzone, Beratung heißt maximale Ehrlichkeit.

 

Liebe Kristin, vielen Dank für deine Zeit, die spannenden Einblicke in deinen Beratungsalltag und deine Sicht auf den Beratungsmarkt.

 

Mehr über Kristin Ottlinger erfahren Sie auf ihrem LinkedIn-Profil. Schauen Sie für weiterführende Informationen zum Thema New Work & Digital Experience auch gern auf dem Blog von Fuchs Devils Wild vorbei!

Leave a Comment